Milo Kamil, Schweizer Meister

Latte Art ist weit mehr als das hübsche Herz auf dem Cappuccino.

Einfach nur Latte Art?

Latte Art ist weit mehr als das hübsche Herz auf dem Cappuccino. Die Zeiten von grobporigen Milchschaumbergen mit Schokoverzierung als Inbegriff der Kaffeekultur in der Schweiz sind vorbei. Doch was hat es mit Latte Art auf sich? Mit Milo Kamil, Latte Art Schweizermeister 2015 und 2016 und Barista, habe ich den Effekt von Latte Art aus verschiedenen Blickwinkeln untersucht.

Autorin: Simona Meiler

Einfach nur Latte Art?

Welchen Einfluss hat Latte Art auf den Geschmack?

Kontrast, Symmetrie und die zentrale Position in der Tasse sind die drei obersten Gebote für Latte Art. Milchbasierte Kaffeegetränke wie zum Beispiel Cappuccini sind vereinfacht gesagt eine Mischung aus geschäumter Milch und Espresso Shots. Die Art und Weise, wie jene Mischung zu Stande kommt, beeinflusst das Geschmackserlebnis entscheidend.

Der australische Barista Matt Perger experimentierte im Mai 2015 mit Latte Art. Er bereitete zwei identische Cappuccini zu, vermischte den einen gleichmässig und unterzog sich dem Blindtest.

Der Ring aus Crema hinterlässt bei der Tasse mit Latte Art einen intensiven, ersten Eindruck im Mund. Er ist stark und bitter. Daraus folgen zwei Effekte. Der erste: Weniger Crema ist im Getränk vermischt, der Grossteil schwimmt oben auf. Der zweite: Der Geschmackssinn ist von dem ersten Eindruck geschockt, so dass der Rest des Getränks mit einer reduzierten Empfindsamkeit wahrgenommen wird. In der Kombination führen die Effekte dazu, dass der Cappuccino nach dem ersten Schluck weniger geschmacksintensiv wirkt.

Ist die Crema gut im Cappuccino untergerührt, so scheint der erste Schluck weicher. Der intensive Geschmack der Crema ist in der ganzen Tasse zu finden. Der Gesamteindruck ist stärker und gehaltvoller.

Die wichtigste Erkenntnis des Experiments ist jene, dass es kein richtig oder falsch gibt, sondern nur Präferenzen.

Milo Kamil serviert einen Cappuccino mit Latte Art so, dass beim ersten Schluck ein ausgewogener Eindruck entsteht. Seine Rosette ist feingliedrig und der Ring aus Crema am Tassenrand dünn. So sind im ersten Schluck Crema und Milchschaum vermischt. Das Resultat entspricht Matt Pergers vermischtem Cappuccino ohne auf Latte Art zu verzichten.

Einfach nur Latte Art?

Einfach nur Latte Art?

Kaffee ist ein multisensorisches Geschmackserlebnis

Kaffee ist mehr als Geschmack, Aroma und Mouthfeel. Die Hintergrundmusik in einem Cafe beeinflusst die Wahrnehmung genauso wie das Parfüm eines anderen Gasts. Demnach ist naheliegend, dass auch Latte Art unsere Sinne stimuliert.

Als Barista knüpft Milo Kamil dank Latte Art einfacher Kontakt zu seinen Gästen. Das kleine Kunstwerk in der Tasse lenkt die Aufmerksamkeit der Kunden auf das Getränk. Sie kosten ihren Caffè Latte oder Cappuccino mit offenen Sinnen. Das Smartphone bleibt für einen Moment vergessen. Auf den visuellen Reiz folgt eine Stimulation der übrigen Sinnesorgane. Latte Art ist in dem Sinn Türöffner; für ein multisensorisches Geschmackserlebnis und für Kontakt von Barista zu den Gästen.

Ist Latte Art gleichbedeutend mit hoher Qualität?

«Das Auge isst mit » kommt nicht von ungefähr. Es ist bekannt, dass eine ansprechende Präsentation den empfundenen Wert von Speisen steigert. Dabei lässt sich vom Aussehen nicht nur auf die Qualität schliessen, sondern auch auf die sorgfältige Arbeit davor.

Gleiches gilt für Latte Art. Der ästhetische Feinschliff steht für die leidenschaftliche Arbeit, die in der Zubereitung des Milchgetränks steckt. Für perfekte Latte Art braucht es perfekt geschäumte Milch. Der Milchschaum ist im Idealfall cremig, feinporig und glänzend. Als Barista bemüht sich Milo Kamil genauso um hohe Kaffeequalität wie um den perfekten Milchschaum. Er investiert viel in die Espressozubereitung. Auf dieser Grundlage ist Latte Art tatsächlich gleichbedeutend mit hoher Qualität.

Bringt Latte Art auf Social Media mehr als nur Likes?

Latte Art ist ein essentieller Bestandteil von Specialty Coffee. Auf Medien, wo nur das Visuelle zählt, ist Latte Art die einzige Möglichkeit, Specialty Coffee in Szene zu setzen. Social Media Plattformen haben viel zur Entwicklung der Specialty Coffee Kultur beigetragen. Das Bild vom Marocchino als Massstab ist dank Instagram & Co seit einigen Jahren überholt. Heute werden neue Kunden über digitale Netzwerke akquiriert. Die Bilder von kunstvollen Rosetten, Tulpen und anderen Latte Art Kreationen sind aus der Werbung nicht mehr wegzudenken. Sie dienen als Visitenkarte für Baristas und Cafes. Dank dem digitalen Wettbewerb steigt die Kaffeequalität weiter. Das verstaubte Image von Grossmutters Kaffeestube wurde vom Bild des sexy Latte Art Künstlers an der Siebträgermaschine abgelöst.

Ein Kolibri für die Kaffeezentrale

Kennen Sie das Kaffeezentrale Logo? Der Kolibri wurde von Milo Kamil entworfen und ist ein Latte Art Sujet. Grundlage ist das klassische Herz. Es wurde an zwei Enden verlängert und mit einem Auge für den Vogel ergänzt.

Hinter Latte Art verbergen sich hohe Qualität, Leidenschaft und Emotionen. Diese Werte werden auch in der Kaffeezentrale gelebt.

übrigens, wenn man das Logo um 90° nach rechts dreht, erscheint ein Einhorn. Armin Luginbühl meint dazu: «Vögel haben wir alle. Ein Einhorn nicht.»

 
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