Simonas Kaffeeblog

Simona Meiler, Schweizer Snowboardcross Fahrerin

Türkischer Kaffee

Der Snowboardcross Weltcupzirkus machte Halt in Erzurum, Türkei. Bei dem Stichwort «Türkei» kommt den meisten Kebab, Hamam oder Türkischer Kaffee in den Sinn. Snowboarden wird kaum mit dem Land in Verbindung gebracht. Mir ging es während meinem einwöchigen Türkei Aufenthalt ähnlich. Snowboard gefahren bin ich nur an einem Tag. Dafür blieb viel Zeit für die türkische Kaffeekultur.

Türkischer Kaffee statt Training

Türkischer Kaffee

«Das übliche: Türkischer Kaffee?», fragt der Kellner schon von Weitem. «Gerne, du lernst schnell», antworte ich und nehme im Café des Hotelkomplexes Platz. «Ich kenne meine Gäste. Heute gibt’s hausgemachte Süssigkeiten auf meine Kosten.» Wenig später bringt Savas Kaffee und Lokum, eine weiche, klebrige Süssigkeit. «Wieso bist du nicht auf dem Schnee?», fragt Savas. Im Hotel fallen wir Snowboarder unter den türkischen Touristen auf. «Es ist zu stürmisch. Unser Training wurde um einen Tag verschoben. Da bleibt mir nichts anderes übrig, als abzuwarten und Türkischen Kaffee zu trinken.»

Reise mit Verzögerung

Türkischer Kaffee

Warten und Kaffee trinken scheint das Motto meines Türkei Trips zu sein. Bereits die Anreise nach Erzurum, einer knapp 400’000 Einwohner Stadt im Osten der Türkei war beschwerlich. In einem kleinen Skigebiet in Anatolien im Ararat Gebirge soll ein Weltcuprennen stattfinden. Was in der Planung einfach klang: Zürich-Istanbul-Erzurum in rund 12 Stunden Reisezeit, stellte sich als Wunschdenken heraus. Nach einer Odyssee mit Endstation des Fluges in Elazig statt Erzurum und der anschliessenden, acht stündigen Busfahrt inkl. Polizei- und Militäreskorte kamen wir nach insgesamt 26 Stunden Reisezeit im Hotel an. Zum Glück war für den Rest des Tages nichts geplant und wir konnten uns erst einmal von den Reisestrapazen erholen. Und Türkischen Kaffee trinken.

Warten auf besseres Wetter

Türkischer Kaffee

«Aeropress oder Türkischer Kaffee?», frage ich Sandra, meine Teamkollegin. «Komm wir gehen runter, ich brauch mal eine Abwechslung zu unserem Hotelzimmer.» Das Warten während der Reise war nämlich erst der Anfang. Der verschobene Trainingstag das zweite Kapitel «Warten» und nun zwingt uns die abgesagte Qualifikation zu einer Kaffeepause. Draussen stürmt es derart heftig, dass der Fernsehturm auf die Rennstrecke krachte und der Schnee buchstäblich vom Untergrund gefegt wird. Also verschoben die Veranstalter die Qualifikation und wir warten auf bessere Zeiten. Das Warten fällt deutlich einfacher mit Kaffee als Ablenkung. In diesem Fall Türkischem Kaffee von Savas.

Zwangspause wegen Schlüsselbeinbruch

Türkischer Kaffee

Auf bessere Zeiten warten war bei mir Programm die letzten sieben Wochen. Ende November stürzte ich im Training heftig und brach mir das Schlüsselbein. Anstatt also die drei Weltcuprennen im Dezember bestreiten zu können, musste ich pausieren. Natürlich trainierte ich fleissig weiter, um so schnell wie möglich wieder ins Wettkampfgeschehen eingreifen zu können. Schliesslich finden in weniger als einem Monat die Olympischen Winterspiele statt und ich muss mich noch dafür qualifizieren. Die verpassten drei Weltcuprennen machen dieses Unterfangen nicht gerade einfacher. Aber mein Schlüsselbein ist in Windeseile verheilt und darum warte ich auf meinen Einsatz in Erzurum, wo meine Stärken gefragt sind: Warten und (Türkischen) Kaffee trinken.

Einen Schritt näher an Olympia

Das Warten auf gutes Wetter, auf das SBX Rennen und schliesslich auch auf ein starkes Resultat nimmt plötzlich ein Ende. Am Samstag geht alles Schlag auf Schlag. Wir stehen so früh auf, dass ich nicht einmal zehn Minuten investiere, um mir einen Aeropress Kaffee zu brühen. Besichtigung der Strecke, 90 Minuten Training und dann gleich Heats. Aus Zeitmangel starten wir ohne Zeitläufe direkt mit den Finals. 32 Frauen sind am Start, aufgeteilt auf acht Mal vier Fahrerinnen pro Durchgang. «Riders ready, attention, GO!», die Startklappe fällt, wir jagen die Rennstrecke hinunter. Die erste Runde geht an mich, ich fahre als Erste in Ziel und komme unter die 16 schnellsten Frauen. «Photofinish! What a race!», ruft der Speaker im Zielgelände nach dem zweiten Durchgang. Bange Sekunden warte ich neben der Deutschen Mitstreiterin auf das Ergebnis des Zielfotos. «Jana Fischer ist eine Runde weiter.» Mir bleibt das Nachsehen. Dennoch ist der 12. Schlussrang ein starkes Comeback nach der Verletzungspause und damit bin ich den Olympischen Spielen einen Schritt näher. Bis dahin gilt: Weiter snowboarden und Kaffee trinken.

Immer schneewärts,
Simona

www.simonameiler.ch →